Australienreise Dezember 2023

Start Down Under / 27. November 2023

Nach einem elend langen Flug - ja, wir wollten es so - haben wir eine Nacht im Flughafenhotel in Brisbane verbracht. Anschliessend leisteten wir uns ein Taxi - ein Jahrhundertereignis, welches wir während der Reise aber noch einmal wiederholten - und haben den Camper für die nächsten 23 Tage übernommen. Mit der Bemerkung „we‘ve our own camper at home“, reduzierte sich die Instruktion auf die Schlüsselübergabe, nach 20 Sekunden war die Sache erledigt. Wie wir das Bett zusammenzubauen hätten, das Licht zu bedienen, wo die Kücheneinrichtung ist, etc., fanden wir irgendwann im Laufe der nächsten Tage selbst heraus.

Unsere erste Fahrt, nachdem es durch Brisbanes Zentrum führte, endete vorerst beim Einkaufszentrum. Für unser sieben Meter langes Fahrzeug gab es dort keinen einzigen Parkplatz - wir outeten uns als peinliche Touristen: Unüberhörbar manövrierten wir hin und her, beim Rückwärtsfahren piepte es so laut, dass jegliches exotische Vogelgezwitscher verstummte. Als wir dann irgendwie quer eingeparkt hatten, kauften wir die essentiellen Utensilien für die kommenden drei Wochen: WC-Papier, Spülmittel und Notvorrat für allfällige Abenteuer im Niemandsland - die wir natürlich nie erlebt haben - Schisshasen sind wir. Bis auf die ersten beiden Nächte am Fusse des Mount Warning hatten wir noch keinen Plan, wohin es uns treiben wird.

Nachdem wir über Passstrassen und durch Regenwald - mit Regen - einige Stunden gefahren sind, erreichten wir den wunderschönen und sehr wenig besuchten Mount Warning Rainforest Park. Bald hüpfte auch ein erstes Hüpftier, wohl ein Wallaby, über die Wiesen, lustige Truthähne begleiteten ihn (nicht hüpfend).

Regen im Rainforest / 28. November 2023

Am ersten Morgen im Camper wurden wir durch eine atemberaubende Geräuschkulisse geweckt: die zahlreichen und vielfältigen Vögel erfüllten den gesamten Campingplatz - schon sehr früh - mit einem einmaligen Zwitscher-Konzert. Wir nutzten den bisher eher wolkenverhangenen aber trockenen Tag, unseren Reiseplan grob fertigzustellen. Dies dauerte auf die Sekunde exakt so lange, bis der Regen einsetzte. Die Tropfen hämmerten höhnisch aufs Dach; und es beeindruckte die australischen Wettergötter nicht, dass wir uns gegenseitig beteuerten, dieses Wetter so nicht gebucht zu haben. Also haben wir die Zeit für ein Jetlag-Nickerchen genutzt.

Überwältigende Loris / 29. November 2023

Wir verabschiedeten uns bereits wieder vom Mt. Warning. Es herrschte auf der Fahrt weiterhin eine bedrohliche Wetterlage, die sich für unseren Zwischenstopp bei den Killenfalls in dampfende, feuchte Tropenhitze - ohne einen Regentropfen - verwandelte. Die Killenfalls entpuppten sich nicht als überwältigend spektakulär, aber sie waren dennoch einen Spaziergang über kantige Steine hinab zum See wert; natürlich mit (gut schweizerisch) festem Schuhwerk, im Vergleich zu den wohl einheimischen Flipflop-Trägerinnen.

Später am Meer in Woolgoolga angekommen, boten sich uns Anblicke auf kitschige Strände, anständige Wellen und zahlreiche Surfer. Wir waren auch hier von der Natur überwältigt: Die bunten "Loris" (Papageien) präsentierten sich in einem umwerfenden, verschiedenfarbigem Federkleid, was uns in touristisches "ooooh!" und "wooow!" verfallen liess. Auch wenn wir in den nächsten Wochen noch hunderte davon gesehen haben, bis heute lässt uns die Erinnerung an die Farbenvielfalt der Natur verzaubern. Jeweils in der Abend- und insb. der Morgendämmerung versammelten sich die Loris in den Bäumen und setzten zu einem enorm lauten Geschnatter an.

Nachdem wir am Mt. Warning selber gekocht haben, suchten wir in Woolgoolga nun eine Beiz für den Znacht. Wir wurden in einem - auf den ersten Blick - zwielichtigem Schuppen fündig - es war das einzige in Gehdistanz: Bei den "Woolgoolga Diggers" liessen sie uns erst nach Kontrolle der ID rein. Mir schossen bereits die wildesten Gedanken von vergiftetem Essen und anschliessender Entführung durch den Kopf. Es endete jedoch in einem angenehmen Burger- und Pommes-Schmaus. Wir lernten hier auch die Selbstbedienungs- und Bestellungs-Gepflogenheiten kennen, die ab sofort "normal" waren. Zur Kontrolle der ID: Es handelte sich um einen Veteranen-Club, diese verfügten auch über Spielautomaten; vermutlich für den Eintritt in das "Restaurant mit Spielautomaten" mussten wir uns identifizieren.

Wir werden endgültig zu Touristen / 30. November 2023

Wir stellten fest (!), dass es in Australien Sommer ist und setzten uns zum heutigen Ziel, einen Sonnenhut zu kaufen - in einem Billabong-Laden wurden wir fündig und waren fortan für australische Verhältnisse "angemessen" (oder nun unübersehbar als Touristen) ausgestattet unterwegs.

Wir verbrachten anschliessend einen faulen Tag am Strand, versuchten in unseren Büchern zu lesen, gaben nach dreieinhalb Seiten wieder auf, weil es zu viel zu beobachten gab und bemerkten, dass die Surfschule in Australien für Kinder wohl ähnlich "traditionelle Pflicht" ist, wie bei uns die Skischule. Ganze Schulklassen strömten mit dem Brett unter dem Arm zum Fähnchen im Sand und sprinteten auf Kommando ins wellige Nass.

Bei einem gemütlichen Spaziergang entlang des Strandes entdeckten wir in den Bäumen hunderte riesige Fledermäuse - eindrücklich, sehr eindrücklich wie gross und zahlreich diese sind!

Die Fliegenplage / 01. Dezember 2023

Unsere vor wenigen Tagen minutiös geplante Reiseplanung führte uns über den Waterfall Way. Diese Strasse führt von der Küste (auf Höhe von Coffs Harbour) nach Westen ins Landesinnere und von 0m auf 800m über Meer. Im kleinen Dörfchen Bellingen gönnten wir uns eine Pause und fühlten uns wie in einem Western-Film. Den nächtlichen Stopp legten wir bei den Dangar Falls ein. Kurz nach Ankunft stiegen wir den schönen Weg zum Wasserfall hinunter. Unterwegs züngelte uns plötzlich eine ca. 40cm lange, schwarze Echse an (evtl. eine Blauzungen-Echse)! Auf dem Campingplatz nächtigten nur wenige andere Personen, ausser den benachbarten Kühen und Millionen an Fliegen war es idyllisch ruhig.

In der Dämmerung - in Wirklichkeit dann bei totaler Dunkelheit - haben wir uns vorgenommen, auf dem verlassenen Weg zum Wasserfall nach weiteren Tieren Ausschau zu halten, in der Annahme, dass es nachts sicherlich von lichtscheuen Viechern wimmelte. Während des Nachtausflugs im Wald haben wir nichts - gar nichts - gesehen, aber wir fühlten uns heldenhaft und wagemutig, da wir uns bei Nacht in den dunklen Wald getraut haben. Wir genossen anschliessend eine sehr ruhige Nacht!

Nach den farbenfrohen Loris, die uns in den letzten Morgen mit ihrem Gezwitscher geweckt haben, lauschten wir anderen Vögeln, die auf den ersten Blick unscheinbarer waren - dafür übertrafen diese Exemplare die bunten Vögel mit ihrem "Gesang" akustisch. Der Flötenkrähenstar begleitete uns auf der ganzen Reise, nicht umsonst sagt man ihm auch die "australische Elster" - also eher wenig farbenfroh - und nicht umsonst trägt er den Namen Flötenkrähenstar - ein Flöten-Konzert auf höchstem NIveau (Link auf YouTube für eine Hörprobe)! Den alltäglichen Wegbegleiter, den lachenden Hans oder der Laughing Kookaburra muss an dieser Stelle auch unbedingt erwähnt werden - unüberhörbar, unterhaltsam, vertraut... (auch dazu eine Hörprobe auf YouTube).

Offener Campingplatz am Dorfrand / 02. Dezember 2023

Am Ende des Waterfall Ways sündigten wir erstmals in Australien, als wir in Armidale zur Mittagsjause in den lokalen McDonalds einkehrten - auf der gesamten Reise kam dies anschliessend nur noch einmal vor. Nach weiteren 230km erreichten wir das heutige Ziel und waren vom offenen Campingplatz am Dorfrand von Warialda begeistert. Auf dem Rasen "graste" vergnügt ein Rosakakadu-Paar, ein grün-blauer Wellensittich gesellte sich später dazu.

Für die Bezahlung des Campingplatzes waren wir auf die Hilfe einer Einheimischen angewiesen; wir schafften es tatsächlich nicht, mit unserem Schweizer Telefon den Verantwortlichen zu erreichen. Bei dieser Gelegenheit ist einmal zu erwähnen, wie extrem freundlich, gesprächig und eben hilfsbereit die australische Bevölkerung war. Wayne kam dann bald mit seinem Pickup angefahren und wir konnten doch noch unsere Schulden begleichen.

Es wird karger und karger / 03. Dezember 2023

Nach Warialda zeigte sich das Umfeld Meter um Meter karger. Mit Moree haben wir die letzte "grössere" Stadt passiert, die Strasse säumten nur noch Schilder mit der Aufschrift "Floodway", vereinzelt waren Kühe, Emus und Umrisse von Schatten suchenden Kängurus zu entdecken. Knapp eine Stunde nach Moree war das nächste Haus an der Strasse tatsächlich eine Schule - im Nirgendwo - angekündigt mit der üblichen Geschwindigkeitstafel 40km/h folgten mehrere Häuser: das "lokale Schulhaus".

Bis zu diesem Zeitpunkt lief alles wie am Schnürchen - ein kurzer Schreckmoment erlebten wir dann etwa 30km vor Walgett. Unser nigelnagelneues (drei Monate altes) Mercedes-Mietauto wurde heftig auf die Seite "geschüttelt", wenn man es nicht erlebt hat, gibt es wohl keinen passenden Begriff dafür. Wir rätselten, ob es ein heftiger Windstoss war, ob wir etwas erwischt haben (es lagen ja genug tote Kängurus am Strassenrand) oder ob uns das Auto im Stich liess. Die Strasse war glücklicherweise schnurgerade - dies über unzählbare Kilometer und kein Road Train verfolgte uns. So stiegen wir aus und vergewisserten uns, dass alles in bester Ordnung war. Das Auto führte uns anschliessend zuverlässig bis ans Ziel.

Eigentlich wäre eine Übernachtung in Walgett vorgesehen gewesen. Dort angekommen erwartete uns ein schöner Rastplatz, kostenlos und mit Toiletten ausgestattet, jedoch ohne Strom. Bei knapp 40 Grad wäre es wünschenswert gewesen, wenigstens kurz vor dem Schlafengehen die Klimaanlage wirken zu lassen! Wir entschlossen uns, kurz vor der Dämmerung noch weitere 120km in Angriff zu nehmen und bis nach Brewarrina zu kurven (naja, auf Strassen ohne Kurven). Wir wurden für unseren "Durchhaltewillen" belohnt, da ein grosses Känguru in gestrecktem Galopp - oder wie man dies bei Kängurus nennt - direkt vor uns die Strasse querte; bis zu diesem Zeitpunkt haben wir erst weit entfernte Ohren der Beuteltiere im Schatten oder von Autos getroffene leblose Exemplare gesehen.

Die Restaurantdichte in Brewarrina war sehr gering: Ausser dem RSL-Club, in dem sich ein China-Restaurant befand, gab es nichts. Wir waren bereits vertraut mit dem Self-Service von Speis und Trank und fanden uns schnell zurecht. Bei der Ausgabe der Getränke kamen wir mit einer jungen Frau aus Grossbritannien ins Gespräch, die uns erläuterte, dass Leben und Arbeiten in Australien gar nicht so ein "unerreichbarer Traum" sei, es bedürfe dafür einfach den "Farm-Stay", welchen sie bereits absolviert habe.

Auf dem Campingplatz faszinierten uns die riesigen Corella-Schwärme - weisse Kakadus, die zahlreich und unüberhörbar in den Bäumen sassen, manchmal von etwas aufgeschreckt wurden und zusammen einen kurzen Ausflug über den Campingplatz zum nächsten Baum unternahmen. Die Wahrscheinlichkeit von einem Vogelschiss getroffen zu werden war entsprechend hoch, zumindest so hoch, dass dieses Ereignis auch tatsächlich eingetroffen war.

Wüsten-Müllhalde / 04. Dezember 2024

Aufgrund der am Vortag abgespulten Zusatzkilometer standen nur noch 100km bis Bourke an. Uns begrüsste erneut ein wunderschöner Campingplatz, auf dem wir uns das schattigste Plätzchen suchen durften. Wir wollten möglichst viel von der Wüste erleben: Bourke ist das Tor zum definitiven Niemandsland; mit unserem 2WD durften wir jedoch keine Abenteuer wagen und uns nur auf festem Untergrund fortbewegen, was uns in dieser Gegend schon sehr einschränkte. Somit entschieden wir uns für einen Wüstenspaziergang, der sich bald als Spiessrutenlauf durch eine Mülldeponie in der Natur entpuppte. Schilder gegen das illegale Deponieren von Abfall zeugte davon, dass in jüngster Zeit Bestrebungen bestanden, gegen dieses Littering anzukämpfen - die Realität sah deutlich anders aus. Selbstverständlich entdeckten wir auch keine Tiere, da sie der Mittagshitze bei ca. 40 Grad wohl bestmöglich aus dem Weg gegangen sind, anders als wir unbelehrbaren Touristen. Auf dem Rückweg statteten wir dem Visitor-Center einen Besuch ab, in dem uns eine nette Frau sehr lustige und interessante Geschichten über Bourke erzählte - mindestens 3/4 haben wir also verstanden. Sie erklärte uns auch den Ursprung des Spruchs "Back o' Bourke", was Australier sagen für einen Ort, an dem sich "Fuchs und Hase gute Nacht sagen".

Abends jagten wir den vielbesagten Australischen atemberaubenden Nachthimmel voller Sterne nach - ein kleiner Hauch konnten wir erhaschen, eine Strassenlaterne 100m entfernt störte jedoch die volle Pracht und weiter weg wagten wir nicht, da wir uns auf die düstere "Hauptstrasse" hätten begeben müssen!

Gefährlich! / 05. Dezember 2023

Aufgrund der Sternenguckerei am Vorabend - oder aus einem anderen nicht erklärbaren Grund - konnten wir bis um 08:30 Uhr schlafen, offenbar haben wir den Jetlag langsam überwunden.

Die Idylle des Wüstenstädtchens wurde jäh getrübt, als wir uns im Internet über Bourke schlau gemacht haben: Wir befanden uns just in diesem Moment in der gefährlichsten Ortschaft der Welt. Australische Medien berichteten 2019 darüber, da sie mit Drohungen und Angriffen insb. auf das Spitalpersonal zu kämpfen hatten, was dieses Dörfchen mit einer solch kleinen Bevölkerungszahl zu einem - statisch gesehen - hochkriminellen Ort verkommen liess.

Für die Abendjause entschieden wir uns für das Restaurant "Port of Bourke". Wir genossen das Nachtessen im klimatisierten Innern bei Aussentemperaturen von 38.9 Grad, schauten dabei im Fernsehen, der in der Ecke des Restaurants hing zuerst den Redbullfliegtag von Zürich aus 2016 und anschliessend Snowboard - beides irgendwie gänzlich unpassend zum aktuellen Zeitpunkt. Zweifelhafte Bewunderung ernteten gewisse einheimische Farmer, die sich an ihrem Feierabend in exakt 40 Minuten mit vier Pints Bier erfrischten und anschliessend wieder mit ihrem Pickup davonrauschten.

Bourke wusste mit den vielen älteren Gebäuden aus der Zeit um 1900 sehr zu begeistern, dieser "Abstecher" in Richtung Niemandsland hat sich gelohnt, ein sehenswertes Städtchen!

Kenworth vs. Kenwood / 06. Dezember 2023

Unser Frühstück genossen wir mit hervorragender Sicht auf Palmen, auf bunte zwitschernde Vögel und auf den alsbald leeren Campingplatz. Ennet der Strasse bildete sich langsam eine Elterntaxi-Karavane beim Schulhausplatz. Natürlich ist dieser Kinder-zur-Schule-Fahrerei eine andere Bedeutung beizumessen als hier, was unschwer an den schweren Autos zu erkennen war: Es wurden ausnahmslos alle Kinder mit einem Pickup chauffiert. Mir kam es vor, als ob ein Wettbewerb lief, wer mit der höchsten Antenne an der Autofront vorfahren konnte - jede thronte einige Meter hoch am Bug des Schiffs (äh, Autos) - ähnlich wie Kate auf der Titanic.

Kurz nach der Weiterfahrt - wir mussten Bourke schon wieder verlassen - entbrannte unter uns beiden eine hitzige Diskussion über den Unterschied von Kenworth und Kenwood - ein klares Ergebnis aus der Debatte war nicht auszumachen - der eine war fasziniert von den Kenworths, die andere konnte mit Kenwood wenig und mit Kenworth gar nichts anfangen, umso erquickender war die Diskussion um die Gleichsetzung von Kenworth und Kenwood.

Wir fuhren hunderte Kilometer entlang der Bahnlinie, im ersten Abschnitt war die Strecke offensichtlich lahmgelegt, plötzlich begegneten wir dann aber einem abgestellten Zug! Wir erfuhren später, dass sie offenbar Annahmeschwierigkeiten am Hafen von Sydney hätten, daher war die Abfahrt des Zuges noch völlig ungewiss.

Diese Information haben uns Paul und Clarissa vom Campingplatz in Trangie gesteckt - wiederum sehr nette Campingplatzbetreiber! Nach einem ausgiebigen Schwatz - der von unserer Seite mehrheitlich unter "aktivem Zuhören" lief - fragten sie uns, ob wir auch in den "Club" kämen am Abend, die ganze Familie sei anschliessend dort. Eingefuchst, wie wir nun bereits waren, wussten wir ohne nachzufragen, dass es sich um den Dorf-RSL-Club handelte. Selbstverständlich stimmten wir zu und winkten Paul und Clarissa beim Eintritt ins Restaurant zu - wir gehörten quasi schon dazu. Am Mittwoch war im Club von Trangie immer Snitty-Night - also mussten wir schon wieder in ein Parmi-Schnitzel beissen, es hätte Schlimmeres gegeben. Die Bestellung hat der Sohn von Clarissa und Paul aufgenommen - erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass es sich um den jungen Herrn handelte, der vorhin noch auf dem Campingplatz die Putzlappen an die Wäscheleine hängte. Auch die Tochter betrat später noch den Club, der offensichtlich der Dorftreffpunkt war, voll mit jungen Leuten und Familien - der Billard-Tisch wurde kurzerhand als Wickeltisch umfunktioniert, Geschnatter hier und dort - und wir beiden Fremdlinge alleine mit unseren Snittys mittendrin.

In Richtung Orange wird aus rot langsam grün / 07. Dezember 2023

Mit der Fahrt von Trangie zur wieder etwas grösseren Stadt Orange City wechselte die Landschaft - was der Ortsname nicht vermuten liess - mit jedem zurückgelegten Kilometer mehr von wüstenrot zu urwaldgrün. Wir kehrten von der Fläche wieder in hügeliges Gebiet zurück. Wir nächtigten das erste Mal wieder auf einem "Stadt-Campingplatz", der an ein Hundeauslauffeld angrenzte.

Nach unserer Ankunft machten wir uns auf den ca. viertelstündigen Fussweg in Richtung Zentrum. Ich traute unterwegs meinen Augen nicht, als wir an einer vornehmen BMW-Garage vorbeischlenderten - eine eher weniger häufig verkaufte Automarke, Australien ist mehr Team Toyota oder Subaru - und alle Vorführwagen mit eingeschaltetem Motor vor sich her brummten. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen - und dennoch liefen die Motoren, summten allesamt im Kanon den Text vor sich her: "leck mich, Umweltschutz!" - und dies nur, um die ehrenwerte zahlende (nirgends sichtbare) Kundschaft mit einem klimatisierten Fahrerlebnis zu beglücken.

In Orange City verkehrten je nach Wochentag zwei oder vielleicht mehr Züge von bzw. nach Trangie und Sydney - das Fahrplanlesen wäre etwas herausfordernd gewesen, hätten wir den Zug in dieser Stadt als Verkehrsmittel in Anspruch genommen.

Noch das letzte Mal berichte ich von einem RSL-Club - wir wollten ein kleines "Bench-Marking" betreiben und die familiären Dorf-Clubs mit dem Stadt-Club in Orange City vergleichen - es war kein Vergleich. Der Eingangs- und Käfele-Bereich war bereits überfüllt, wir steuerten direkt zum Restaurant-Sektor. Über Lautsprecher wurde alle paar Minuten verkündet, dass für die Mitglieder ein Raffle (Verlosung) durchgeführt werde, was uns als Nicht-Mitglieder wenig interessierte. Punkt 18:00 Uhr schallte dann aus den Lautsprechern eine - für mich - furchteinflössende Musik und mahnende Worte ertönten. Als sich alle im inzwischen gefüllten Esssaal erhoben, ging ich davon aus, dass nun das Raffle beginne und sich alle auf die Verkündung der Verlosung stürzten. Nachdem wir innert zwei Sekunden 74 böse Blicke geerntet hatten, erhoben auch wir uns gefügig. Die Musik und wenig verständlichen Worte schlossen nach ca. drei Minuten mit „lest we forget“, was von einigen wie das Amen in der Kirche ehrfürchtig wiederholt wurde. Ich kam mit erneut wie im falschen Film vor und konnte mir knapp ein Grinsen verkneifen, ob der Komik von uns Fremden in diesem Schuppen, umringt von wohl konservativen (gemäss meiner nicht repräsentativen Internetrecherche), sich an Kriegsveteranen erinnernde Australiern! Dennoch war natürlich auch dies ein "Erlebnis wert".

Und nun auch noch blau: Die Blue Mountains / 08. Dezember 2023

Nach dem lohnenswerten Abstecher ins untouristische Niemandsland von Bourke, stürzten wir uns nun in das vielbesuchte Getümmel in den Blue Mountains. Die Fahrt war verhältnismässig kurz und so waren wir noch zu früh fürs Check-In auf dem Campingplatz. Wir legten am Lake Wallace einen Zwischenstopp ein, der umgeben war von einer riesigen Parkfläche. Die australische "Campingkultur" offenbarte ihre Gastfreundlichkeit dort erneut: auf diesem grossen Wiesengelände durfte man bis zu 48 Stunden kostenfrei direkt am See campen. Dies wurde für das bevorstehende Wochenende wohl auch rege genutzt: bereits am Mittag kurvten mehrere, hauptsächlich ältere Personen mit Wohnwagen im Park umher und suchten sich ein Schattenplätzchen um zu nächtigen. Wir ergatterten ebenfalls eines dieser begehrten Standorte unter einem Baum, aber nur für eine kurze Zwischenverpflegung.

Angekommen im hügeligen Dorf Blackheath stiegen wir gegen Abend ins Dorf hinauf und genossen die phantastische Sicht in die nördliche Richtung in die Blue Mountains. Nach all den Snitty-Nights und Parmi-Überdosen kochten wir gemütlich wieder einmal im Camper zuhause. Es war das erste Mal, dass wir auch explizit wieder Schweizerdeutsch von anderen Personen als von uns hörten, wir waren definitiv wieder zurück unter den Leuten...

Zu viel des Guten - gut wars trotzdem / 09. Dezember 2023

Erstmals seit Woolgoolga war der Campingplatz ziemlich voll; im Gegensatz zu Woolgoolga, wo mutmasslich alles ältere australische Touristen ihre Ferien verbrachten, standen hier in den Blue Mountains auch diverse Mietcamper mit europäischen Touristen.

Wir liessen uns dennoch nicht von unseren Plänen abbringen und traten gut ausgestattet mit Wasser, Sandwich und den altbekannten schweizerisch festen Schuhen eine kleine Wanderung an, die in drei Teile gegliedert war. Der erste Abschnitt führte durch den Wald an den Govetts Leap Lookout. Der Weg durch den Wald war wie in Australien üblich hervorragend präpariert, auch wenn nicht spektakulär, es war fantastisch! Der erste Lookout in den „Gran Canyon“ Australiens kann als atemberaubend betitelt werden. Meine Zunge schleifte bereits nach dieser ersten Etappe am Boden nach. Dennoch liess es mir der Drang nach weiteren grandiosen Aussichten nicht zu, aufzuhören; somit nahmen wir den zweiten Abschnitt unter die Füsse, direkt der Klippe entlang zum Evans Lookout, direkt über den Wasserfall, den wir vorhin von oben bestaunten, dauernd pittoresker Aussicht. Jeder Schritt wurde bald einer zu viel in dieser Mittagshitze. Auch das Handy machte sich selbständig, was bei jemandem in der Schweiz zu einem unterbrochenen Nachtschlaf und bei mir zu einem schlechten Gewissen führte! Endlich angekommen am Evans Lookout gönnten wir uns eine ausgiebige Pause und staunten, wie alle Touristen, die mit dem Auto an diesen Lookout fuhren, jeweils keine fünf Minuten an diesem wunderschönen Ort verbrachten, und wohl schnurstracks weiter an den nächsten „Must-see-Hotspot“ weiterrasten!

Die dritte Etappe führte uns vom Lookout nur noch zurück zum Campingplatz. Definitiv leichter gesagt als getan: das Dorf ist lang, verfügte ausschliesslich über achterbahnartige Strassenverhältnisse - steil hoch und steil runter ohne Ende! Es waren die wohl längsten je gelaufenen fünf Kilometer. Am Ende resultierten gut 800 Höhenmeter auf der 15 km langen Wanderung - für manche ein gemütlicher Sonntagsspaziergang, für mich der Tag der Grenzerfahrung - nicht nur wegen des Klippenwegs.

Am Abend stiegen wir nach einer sehr wohltuenden Dusche nochmals ins Dorfzentrum hinauf. Vis à vis des Bahnhofes hatten wir ein Restaurant nach unserem Gusto entdeckt: Nebst den vielen Schickimicki-anmutenden Etablissements eher eine Knelle. Offenbar handelte es sich hier tatsächlich um die Beiz der Einheimischen und auch der bunten Vögel (die menschlichen!). Einmal mehr vermutlich genau die richtige Wahl!

Aus die Maus / 10. Dezember 2023

Dem Programm des Vortages entsprechend legten wir einen eher ruhigen Sonntag ein. Im Laufe des Nachmittags konnten wir uns doch noch zu einem Dorfrundgang motivieren und stapften in den Rhododendron-Garten. Bis heute ist für uns ungeklärt, welche Viecher ein solch lautes Klopfgeräusch verursachten. Den Garten besuchte eine einzige weitere Frau, ansonsten war der Garten menschenleer und lud sehr zum Verweilen ein. Die verheissungsvolle Warnung „beware snakes“ hielt auch dieses Mal ihr Versprechen nicht - die Schlangen versteckten sich einfach zu gut!

Damit wir uns nicht mental überstrapazieren mussten, gingen wir wieder in denselben Schuppen Abendessen, diesmal sogar mit Livemusik begleitet.

An diesem Tag habe ich übrigens aufgehört, mir fürs Homepage-Tagebuch Notizen zu machen - die Luft war offenbar am Vortag entwichen für zusätzliche Aufwendungen. Somit könnt ihr Lesenden etwas Hoffnung schöpfen, dass die kommenden Tagesberichte mehr in Bild- als in Textform daherkommen werden.

Schwanensee / 11. Dezember 2023

Noch liessen uns die Blue Mountains nicht ganz los: Auf dem Weg nach Sydney besuchten wir, wie es sich für richtige Touristen gehört, mit dem Auto den Echo Point Lookout, von dem man auf die Three Sisters spähen konnte. Es war schon äusserst beeindruckend, wie viele asiatische Touristengruppen uns beinahe überwälzten und mit Selfie-Sticks und teurer Fotoausrüstung bewaffnet die Plattformen stürmten - die Felsformation war auch sehenswert (by the way). Da wir noch ein Ziel hatten, war unser Besuch von kurzer Dauer - länger wäre dieser Rummel auch kaum aushaltbar gewesen.

In Sydney angekommen - der Campingplatz lag vollkommen im Grünen - machten wir uns bald wieder auf den Weg, um mit U-Bahn und S-Bahn ins Zentrum zu gelangen. Das erste Foto, das ich von dieser Stadt geknipst hatte war ein rosa "Laden", der ausschliesslich aus "Greifautomaten" bestand - für ein Landei wie mich doch immer wieder faszinierend, was es alles Unsinniges gibt auf dieser Welt.

Wer Sydney sagt, muss natürlich auch Oper sagen - daher habe ich mich noch kurz informiert, welche hippen Veranstaltungen an den drei Abenden, die wir hier verbrachten, lief. Ausser Schwanensee wurde nichts angeboten, daher verzichteten wir auf einen Besuch des Opernhauses von innen.

Zwei Tage Sightseeing / 12. und 13. Dezember 2023

In den nächsten beiden Tagen erkundeten wir Sydney zu Fuss und per öV. Wir waren inzwischen Profis mit dem Ticketsystem in Australien, auch wenn es jede Stadt doch wieder etwas anders handhabte - aber "tap on" und "tap off" beherrschten wir! Den ersten Tag starteten wir am Darling Harbour, suchten verzweifelt jeden kleinsten Schatten und staunten die imposanten Hochhäuser an. Plötzlich standen wir dann vor einem riesigen Kreuzfahrtschiff, welche man in unseren Breitegraden nur aus einer sicheren Distanz begutachten kann. Eher unscheinbar im Hintergrund posierten im gleichen Moment die Sydney Opera und die Sydney Harbour Bridge (es sind ausreichend fotokokumentarische Eindrücke in der Galerie enthalten).

Wir nutzten in dieser Stadt natürlich alle Möglichkeiten des öffentlichen Verkehrs und stiegen unverhohlen auch in die Sydney Ferries ein, welche auch mit unseren Tickets nutzbar waren.

Am nächsten Tag fuhren wir mit der Bahn in einer grossen Schlaufe nach Meadowbank und stiegen dort wieder in die öffentliche Fähre ein, tuckerten damit über den Sydney River und genossen die phantastische Aussicht auf die vornehmen Häuser und die Skyline.

Einfach nur Kängurus / 14. Dezember 2023

Der Abschied von Sydney war von einem kecken Gelbhaubenkakadu begleitet, der das Gespräch mit uns suchte und ohne unsere nette Ausladung wohl auch gleich in den Camper eingestiegen wäre.

Nachdem wir uns von der Grossstadt verabschiedet hatten, nahmen wir den ersten Schritt in Richtung Ferienende in Angriff - schliesslich war Pambula Beach die letzte Station mit dem Mietcamper, an der wir mehrere Nächte verbrachten - in grossen Schritten näherten wir uns bereits Melbourne!

Nach knapp 500km entlang der Küste erreichten wir Pambula Beach. Gleichzeitig erhielten wir die Bestätigung, dass Kängurus in zahlreicher Ausführung lebendig in diesem Land vorkommen! Bis zu diesem Tag sahen wir sie mit wenigen bereits beschriebenen Ausnahmen nur tot am Strassenrand - sehr unschön, aber leider die Realität.

Auf dem Campingplatz in Pambula Beach hausten sie zahlreicher als die Touristen, hüpften plötzlich hinter einem Hüttchen hervor - und liessen einen ob ihrer doch beeindruckenden Grösse und Stärke einen Schritt nach hinten treten. Einige unerschrockene Kinder trauten sich dennoch, die zutraulichen Tiere zu streicheln. Auch wenn man sich an den Anblick sicherlich irgendwann gewöhnte, so war es für uns doch weiterhin aussergewöhnlich phantastisch, diese Tiere so nahe beobachten zu dürfen.

Waran-Alarm! / 15. und 16. Dezember 2023

Kurze Quizfrage zwischendurch: Woran erkennt man Touristen auf dem Campingplatz in Australien? Antwort: Sie sind über eine längere Zeitdauer (also länger als fünf Minuten) fasziniert von einem 1.5m langen Waran, der sich keine 10m weit entfernt seine Mittagsjause gönnt. Die Einheimischen würdigen das Tier zwar anfänglich eines Blickes (1!) und schliessen ihre Tür zum Camper - einen zweiten Blick hat das Tier von den Australiern jedoch kaum verdient - so "normal" scheint der Anblick dieser riesigen Echse zu sein. Also wir waren "Baff", als die Echse gemütlich über den Rasen spazierte und unter dem Wohnwagen unseres Stellplatznachbarn hindurch ins Gebüsch kroch, wo wir es minutenlang beim Züngeln beobachten konnten.

In Pambula Beach nutzten wir nochmals die genialen Wanderwege in Australien und meisterten den "River Walk". Dieser war zwar keine Herausforderung für die Fitness, jedoch für mich dennoch ein Überlebenskampf gegen die mich fressenden Mücken. Entlang des Flusses, der ins Meer mündete, bewegten wir uns wieder in der unberührten Natur - bis auf ein Vergnügungsboot, das in einem gewissen Abstand unnötig dröhnte und ebenso unnötig Kreise drehte. Die Eindrücke dieser Flussmündung waren erneut malerisch - ebenso die verschiedenfarbigen, künstlerisch geformten Felsformationen am Strand.

In einem Gespräch mit einem älteren australischen Ehepaar erfuhren wir, wie lohnenswert Neuseeland im Vergleich zu Australien sei. Sie verwickelten mich in ein langes Gespräch (auch hier glänzte ich wieder mehr mit aktivem Zuhören, als mit sprechen); diese Australier sind einfach so offen und scheinbar stets in Plauderlaune - egal mit wem! Köstlich!

Take-Away / 17. Dezember 2023

Eine etwas kürzere Etappe führte uns nach Marlo, in das Städtchen, wo der Snowy River ins Meer mündete. Die Flussmündung entpuppte sich bereits bei der Anfahrt aus dem Auto heraus als malerisch schöne Gegend. Wir erkundeten dieses Gebiet am Nachmittag wiederum zu Fuss über den "Snowy River Coastal Walk" und ergänzten unser Repertoir an gesehenen Wildtieren nochmals um einen Azure Kingfisher und einen Leierschwanz, der angeblich andere Vogelstimmen imitieren kann. Beide haben wir nur ganz kurz erblicken können, dennoch phantastisch, diese kurzen Augenblicke (ich wiederhole mich)!

In der heutigen Zeit informiert man sich über angemessene Verpflegungsmöglichkeiten vorab im Internet - da lag es auf der Hand, dass sich das nahegelegene Marlo Hotel an diesem Tag über unseren Besuch freuen durfte, die Rezensionen im Internet waren verheissungsvoll. Entlang der Küste bzw. des Snowy Rivers machten wir uns hungrig und vorfreudig auf den Weg zum Restaurant - da sich das Ende unserer Ferien immer schneller näherte, wollten wir auch den zweitletzten Abend im Camper und das letzte Mal "auf dem Lande" noch auskosten. Angekommen im Restaurant wurden wir leider nicht mit offenen Armen empfangen, da die Belegschaft just an diesem Abend ihren internen Weihnachtsanlass feierte. Wir hatten exakt fünf Minuten Zeit, uns eine Take Away-Pizza zu ordern, anschliessend sei die Kasse geschlossen. Währenddem wir geschlagene 57 Minuten auf der Terrasse bei schöner Aussicht auf die besagte Pizza warteten, verköstigten sich andere Gäste genüsslich an den Tischen und holten an besagter Kasse Getränkenachschub - vielleicht waren es Hotelgäste - oder wir waren einfach gelackmeiert. Schlussendlich genossen wir die Pizza zuhause auf dem Campingplatz - wir empfanden sie als besonders gut!

Der Campingplatz war erneut ein Bijoux - grosse Flächen und fast leer. Als uns bei Ankunft das betagte Ehepaar im mit Ramsch überfüllten und mit stechendem Räucherstäbchenduft benebelten Räumchen begrüsste, fragten wir sie, ob es in dieser Zeit viele Gäste habe. Sie kündigten an, dass an Weihnachten, also in einer Woche der gesamte Platz komplett ausgebucht sei - für uns schlichtweg unvorstellbar, da zu diesem Zeitpunkt auf dem riesigen Platz weniger als zehn Stellplätze besetzt waren. Wir genossen also die Ruhe und das Grün des Rasens, auf dem Rosakakadus herumstolzierten - und wir vermochten uns nicht vorstellen, wie laut, unruhig und ungemütlich es wenige Tage später gleichen Ortes aussehen werde.

Schrecklich - lange Hosen! / 18., 19. und 20. Dezember 2023

Am 19. Dezember mussten wir unseren Camper wieder abgeben, am 20. Dezember stand der Flug von Melbourne zurück nach Brisbane an. Somit organisierten wir in der Nacht vor Abgabe des Autos einen Campingplatz "am Stadtrand" (in Verhältnissen einer Millionenstadt) und für die Nacht vor dem Flug eine Hotelübernachtung. Somit blieb für die Besichtigung der Stadt relativ wenig Zeit. Am letzten Abend im Camper verschlug es uns dennoch mitten ins Zentrum von Melbourne - wir fuhren mit dem Zug an den berühmten Tennishallen vorbei - und assen im "Cargo" an den Docklands nochmals ein Parmi. Am nächsten Tag suchten wir die Pinguine in St. Kilda, diese blieben uns aufgrund von Bauarbeiten verwehrt, es lohnte sich jedoch allemal, da St. Kilda ein lohnenswertes Quartier war und in diesen Tagen auch wenig touristisch zu sein schien.

Schweren Herzens trennten wir uns vom Camper, der uns sicher und ohne grossen Querelen von Brisbane bis nach Melbourne kutschierte. Am Morgen vor der Abgabe putzten wir das Gefährt insbesondere innen, so dass es deutlich sauberer war als bei der Übernahme. Anstandslos haben sie es dann auch wieder zurückgenommen (obschon das Auto von ausssen aussah, als ob wir drei Wochen ausschliesslich durch Schlamm und Matsch gefahren seien, da es genau an diesem Morgen regnete und wir von Dandenong bis zur Abgabestelle noch gut eine Stunde durch den Regen fahren mussten) und uns ein Taxi für die Fahrt ins Hotel gerufen. Die Hotellobby war bei unserer Ankunft vollgestopft mit Sportlern, dennoch genossen wir einen angenehmen Aufenthalt (lediglich die Rühreier am Morgenbuffet waren aufgrund der Fussballer eine Rarität).

Die Trauer über die Abgabe unseres Campers wurde zusätzlich überschattet von den kalten Temperaturen. Wir sahen uns tatsächlich gezwungen, das erste Mal seit Wochen wieder lange Hosen zu tragen. Wir erlebten also eine Temperaturspanne von etwa 30 Grad: Von 43 Grad in Bourke bis zu den an jenem Tag aktuellen 13 Grad in Melbourne. So freuten wir uns auf den Flug nach Brisbane - ab in die Wärme! Nach dem Self-Check-In (wir schafften es dieses Mal quasi alleine) und knapp zwei Stunden Flug hatte uns die tropische Hitze von Brisbane wieder!

Abschied aus der schönsten Stadt / 21., 22. und 23. Dezember 2023

Brisbane hat uns beide sehr fasziniert. Das tropische Klima in dieser vielfältigen Millionenstadt, die Architektur zwischen alt und neu, die allgegenwärtige Natur und Tierwelt und das friedliche Beisammensein Tag und Nacht in South Brisbane, in den zahlreichen Beizen oder in der künstlichen Badelagune. Diese Stadt hat es uns angetan!

Auch hier waren wir viel mit Bahn, Bus und Schiff unterwegs. Gleichzeitig spazierten wir etliche Kilometer durch das Stadtzentrum und durch die grossen Parklandschaften, für die es zwischen den Wolkenkratzer einladend viel Platz zu haben schien. South Brisbane lud zum Verweilen ein, die künstliche Badelagune wird bis um Mitternacht von den Bademeistern beäugt, gefühlt folgte einem auf Schritt und Tritt eine Australische Wasseragame. Bereits auf dem Weg vom Zug zum Hotel sass einer an unserem Wegesrand, bei einem Nachmittagsbier lauschte einer interessiert unseren Gesprächen, in den Roma Street Parklands freundeten wir uns mit der gesamten Mannschaft an.

Dass wir im Hotel ein kostenloses, ungefragtes Upgrade in eine Suite erhielten - einen solchen Luxus genossen wir noch nie -, hat unseren Eindruck dieser Stadt sicherlich nicht getrübt, hat aber unsere Enttäuschung über das fehlende Zmorgenbuffet wenigstens ein wenig aufgefangen (es gab "nur" à la Carte-Frühstück).

Die City Hall in Brisbane wurde nach Einbruch der Dunkelheit mit einer Lichtshow bestrahlt - da kann unser Bundeshaus einpacken. Es war für uns das erste Mal, dass ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkam - bis anhin war mein in Australien gekauftes Zitronen-Duschmittel das einzig Weihnachtliche, was mich an Mailänderli mit Zitronenguss und somit an den Advent erinnerte.

Kulinarisch hat uns Brisbane insbesondere die japanische Küche näher gebracht. Zweimal besuchten wir das in Kabinchen unterteilte Restaurant. Am ersten Abend trauten wir uns an eine scharfe Udon-Nudelsuppe - von drei angebotenen Schärfekategorien wählten wir die leichteste, sozusagen die Kindergartenausgabe. Bereits nach dem ersten Schlürf war uns jedoch nicht mehr nach Zweierreheli-Laufen und goldigem Sünneli zumute, sondern nach einem Feuerlöscher und einem rettenden Eiswürfel. Beides stand nicht zu Verfügung und wir schafften den ganzen Topf mit vereinten Kräften.

Am letzten Tag sind wir dann wenig ruhmesreich nochmals durch die Stadt getigert und Weihnachtsgeschenken für zuhause nachgerannt. Ausser (natürlich nicht gekauften) Känguru-Hoden (pfui, wie kann man nur), haben wir aber nichts gefunden - erst am Flughafen haben wir das Gesuchte dann tatsächlich gekauft.

Es war ein wirklich sehr schöner Abschluss unserer Ferien in dieser Stadt - eine Stadt mit ganz viel Wohlfühlcharakter! So machten wir uns schweren Herzens auf die Heimreise - notabene im weihnachtlich geschmückten Flieger der Singapore Airlines -, damit wir dann gemütliche und verschlafene Weihnachten zuhause verbringen konnten.