Attencion - salida de camiones
Benidorm (E).
Camping Villasol.
Dezember 2021 / Januar 2022 / Ferien.
In diesen weiterhin speziellen Corona-Zeiten zögerten wir einen Entscheid lange hinaus und haderten zumindest teilweise mit Zweifeln und Gewissensfragen bezüglich Reisen in ferne Länder. Schlussendlich packten wir unsere sieben Sachen und fuhren mit einem Zwischenhalt nach Barcelona in die Feriendestination Benidorm. Wir hatten keine Ahnung, was uns da erwartete und waren gelinde gesagt überrascht, als uns ein Wald an Hochhäusern begrüsste. Erst später lasen wir, dass Benidorm die grösste Hochhausdichte pro Einwohnerzahl weltweit mit 345 Gebäuden mit mehr als zwölf Etagen aufweist. Es war hässlich, erschreckend, abstossend und faszinierend und eindrücklich zugleich. Wie Zahnstocher in die Erde gesteckt ragten die Türme in die Höhe - von topmodern bis verlumpt - eins nach dem anderen. Die Geschichte hinter dem höchsten und einem der modernsten Hochhäuser - dem "Intempo" ist wohl bezeichnend. Die knapp 70'000 Einwohner und die 1.5 Millionen Touristen im Sommer müssen irgendwo in der Stadt Unterschlupf finden.......
Eigentlich wollten wir einen Campingplatz direkt in Alicante buchen, diese waren, wie wir später selber sahen, alle überfüllt. Wir konstatierten aber bald, dass sich diese "Notlösung" in Benidorm als Glücksgriff herausstellte. Wir genossen die grossen Parzellen, die Ruhe, das sonnige Plätzchen, die "Nachbarschaft" zu Maria & Christian aus Bayern, das feine Brot jeden Morgen aus dem hauseigenen Supermercado und nicht zuletzt die Verdauungsspaziergänge nach dem Nachtessen am Strand zum 2km entfernten Campingplatz.
Kulinarisch können diese Ferien nicht als ultimatives Highlight bezeichnet werden. Die Stadt bietet wenig geschmackliche Authentizität an, so dass wir kulinarisch in der ganzen Welt unterwegs waren: Der "Chinese" bot die grösste Platte an, so dass wir ihn zweimal besuchten, das deutsche Haus war ehrlich gesagt eine Notlösung, eine Pizza im Restaurant wurde liebevoll aus dem Tiefkühler direkt in den Ofen und in den Teller gelegt, die andere hingegen war offensichtlich handgemacht. Bei Alvaro, der uns ganze drei Abende das Essen servierte, genossen wir aber doch zweimal eine vorzügliche Paella. Bemerkenswert war aber, dass Alvaro beim dritten Besuch - unserem letzten Abend - uns das Bier bereits ohne explizite Bestellung unaufgefordert auf den Tisch stellte.
Wie gewohnt zogen die Tage viel zu schnell vorüber, unsere Hauptbeschäftigung lag in der Tat darin, die Sonnenstrahlen richtiggehend aufzusaugen - im Wissen, dass wir in Kürze wieder in den Winter zurückkehren müssen. Immerhin zweimal wagten wir eine kurze Ausfahrt mit dem Velo. Mit dem von Stadler gebauten Zug/Tram tuckerten wir auch einmal in die Grossstadt Alicante. Aufgrund einer zu hoffnungsvollen Erwartungshaltung bezüglich der Schönheit der Altstadt von Alicante, wurden wir eher enttäuscht. Die Gassen sind voll mit einladenden Restaurants - es überwog eine auffällige Mehrheit an Pizzerias (oder heisst es Pizzerien? :-) ). Auf jeden Fall kennen wir das zwiespältige Benidorm nun in- und auswendig; haben wir doch jeden Tag ungefähr 10km zu Fuss abgespult.
Auf unseren Exkursionen durch die Stadt begleiteten uns stets eine dauernde Beschallung von typischem britischem Slang. Es bewahrheitete sich auf eindrückliche Art und Weise, dass die meisten Touristen aus Grossbritannien diese Stadt besiedelten. Die Holländer standen dem aber fast in nichts nach - aber nur fast. Ein legendäres Zitat von unserer Campingplatz-Nachbarin Maria aus Bayern sei auch hier nochmals festgehalten: "Je grösser der Umfang eines Britischen Touristen, um so weniger Kleidung trägt er in einem Restaurant".
Auch die Corona-Massnahmen wurden unterschiedlich eingehalten: Es war anfänglich etwas befremdlich, an der Strandpromenade im Freien die Maske zu tragen. Doch schon bald gehörte dies zum Alltag. Die Spanier hielten sich eher daran, als die Touristen. Da der grösste Teil des Lebens - dank der angenehmen Temperaturen - draussen stattfand, konnten wir uns relativ ungefährdet - und "ungefährdend" - bewegen; mit dem konsequenten Maskentragen schützten wir uns und unser Umfeld. Das Impfzentrum lag in direkter Nähe zum Campingplatz. Die Warteschlangen an Wochentagen unterstrich eindrücklich die Impfbereitschaft der Spanier.
Zu guter Letzt gilt es noch den Titel "aufzulösen": Wir versuchten stets unsere Spanischkenntnisse anhand von alltäglichen Situationen - Gesprächsfetzen, Baustellentafeln, Milchpackungen etc. - aufzubessern. Fliessend beherrschen wir nun die Wortaneinanderreihung "Attencion, salida de camiones, una cerveza por favor (no, grande!), fresa sin nata, abierto todos los dias, todos hermanos, ...". Einmal hat uns diese eifrige Übung der spanischen Sprache bereits in ein Gespräch mit einer Einheimischen verwickelt: Während des steten Wiederholens und Einstudierens der einschlägigen Satzteile, drehte sich die vor uns laufende Frau um und fragte uns, ob wir aus der Schweiz kämen (sie lebte einst in Zürich). Bilanzierend müssen wir zugeben, dass wir weder einem Lastwagen ausweichen mussten, der aus der Baustellenausfahrt preschte, noch dass wir bemerkenswerte Spanischkenntnisse aufweisen können.
Dennoch haben wir die wenigen Tage in der Sonne in vollen Zügen genossen. Wer sich vom schönen Wetter überzeugen will und das Bänkli, das wir auch für zwei Schnappschüsse in Beschlag genommen haben anschauen will, kann diesem Link auf die Webcam folgen (Warnung: sofern man sich in der winterlichen Kälte befindet, kann es frustrierend sein).